21. März

„Es wird niemand zum Menschen, der nicht zuerst zu einer tiefen Selbsterfahrung gekommen ist, in der er sich über sich selbst klar wird, sich ein eigenes Urteil bildet und so auf gewisse Weise seine Bestimmung und sein Leben in die Hand nimmt.“ (Giacomo Leopardi)

Wenn wir auf die Welt kommen, sagen uns erst die Eltern, was wir zu tun haben, später der Lehrer, dann der Chef. Und wenn keiner etwas sagt, hören wir oft noch Stimmen von früher, die uns eintrichtern, was gut ist, was nicht, was von uns erwartet wird, wo wir anders zu sein hätten, um den vordefinierten Normen zu entsprechen, um als normales Mitglied in der Gesellschaft zu funktionieren. Wir sind bessere Schafe in einer Herde, aber Menschen?

Immanuel Kant sagte einst, wir sollten den Mut haben, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen. Vor allem sollten wir den Mut haben, hinzusehen, wer wir selber eigentlich sind und nach welchen Massstäben wir leben wollen: Eigenen oder fremden? Wollen wir nur Ausführende von anderen Ansprüchen sein oder aber selbstbestimmt durchs Leben gehen?

Für ein selbstbestimmtes Leben gibt es nur eines: Geh in dich, frage dich, wer du bist und wer du sein willst, löse dich von inneren und äusseren Autoritäten, die über dein Leben bestimmen wollen, und lebe, wie es dir entspricht.

Innehalten

„Die Ruhe der Seele ist ein herrliches Ding und die Freude an sich selbst.“ Johann Wolfgang von Goethe

Einfach mal einen Moment innehalten. Durchatmen. Nichts tun. Einfach mal geniessen. Einfach mal hinhören, was um mich ist. Hinschauen, was ich sehe. Einfach mal fühlen, wie die Luft meine Haut berührt. Spüren, wie sich mein Körper anfühlt. Einfach mal tief einatmen. Fühlen, wie sich der Bauch hebt. Und wieder ausatmen und fühlen, wie er sich senkt. Und dann einfach sein. Hier. Jetzt. Bei mir.

Es braucht wenig und es tut so gut, wenn wir einfach mal wieder ganz präsent sind, achtsam den Moment wahrnehmen. So können wir uns im oft hektischen Alltag kleine Oasen schaffen, in denen wir auftanken. Wie sagte schon Konfuzius:

„In der Ruhe liegt die Kraft.“

 

20. März

„1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
4. Was ist der Mensch?“ (Immanuel Kant)

Wenn wir durchs Leben gehen, neigen wir dazu, alles zu bewerten und zu beurteilen. Wir teilen ein in gute und schlechte Dinge, richtiges und falsches Verhalten, schön und hässlich, nett und unfreundlich. Wir bestimmen, mit wem und was wir uns umgeben wollen und wen oder was wir lieber meiden. Oft schiessen wir mit solchen Urteilen auch zu schnell heraus – teilweise bereuen wir das später. Es kann durchaus helfen, uns ab und an selber zu hinterfragen, bevor wir wieder einmal urteilen wollen:

Was weiss ich überhaupt wirklich über den Menschen oder die Situation? Steht mir ein Urteil zu? Was ist das Verhalten, das ich mir wünschen würde von dem Menschen, der ich sein möchte? Und schliesslich: Worauf kann ich im Leben hoffen und welche Hoffnungen führen nur zu falschen Erwartungen und damit zu Enttäuschungen?

Bei all diesen Fragen hilft es immer auch wieder darüber nachzudenken, was es überhaupt heisst, Mensch zu sein, denn: (Unser) Menschsein ist die Basis für alles andere, das aus ihm erwächst.

19. März

„Wer einmal zu sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.“ (Stefan Zweig)

Es gibt unzählige Geschichten davon, wie Menschen in die Welt zogen, um Glück oder Reichtum zu finden, und erst spät merkten, dass beides schon immer da war. Wie oft suchen wir unser Glück in Dingen? Wie oft denken wir, dass wir nur noch dies oder jenes haben müssten, um dann glücklich zu sein? Und wie oft fürchten wir, etwas zu verlieren, was uns lieb und teuer ist, so dass wir kaum geniessen können, es zu haben?

So lange wir uns an äussere und vergängliche Dinge hängen (und unser Körper und das Leben an sich gehören ebenfalls dazu) verschliessen wir uns selber den Weg zu wahrem Glück. Das Glück ist immer da, es liegt in uns selber. Tauchen wir also ein und finden es. Was könnte uns dann noch etwas anhaben? Wer könnte uns noch etwas nehmen?

18. März

„Irgendwo in uns ist die Kraft, die Welt zu verändern.“ (Roald Dahl)

Wenn dir die Welt, wie sie ist, nicht gefällt, ändere dich. Das mag auf den ersten Blick paradox klingen, ist es aber nicht.

Veränderungen beginnen immer bei uns selber. Oft missfällt uns im Aussen das, was auch in uns selber steckt, nur sehen wir es bei uns oft nicht. Wenn wir das mal erkannt haben, können wir daran arbeiten, es zu verändern. Wir können in uns das stärken, was uns hilft, der Mensch zu werden, der wir sein wollen. Auch ist es an uns, all das, was wir in der Welt sehen wollen, in die Welt zu bringen.

Wir wollen in einer Welt leben, in der Mitgefühl und Liebe gelebt werden? Leben wir es selber.

17. März

„Heute bin ich allen bedrückenden Umständen ausgewichen, besser gesagt, ich habe mich von ihnen befreit, denn der Druck kam nicht von aussen, sondern von mir und meinen Annahmen.“ (Marc Aurel)

Die Eltern sind schuld für das verpfuschte Leben, der Chef für die ausgebliebene Karriere, der doofe Exfreund an der Tatsache, dass auch künftige Beziehungen in die Hosen gingen. Nur: So lange wir uns als Opfer von Situationen oder Menschen sehen, werden wir genau das auch bleiben: Opfer. Und wir merken dabei nicht, dass wir selber es sind, die uns zu diesem Opfer machen, indem wir uns diese Geschichten erzählen. Bei den Eltern sind wir längst ausgezogen, hätten also spätestens beim Auszug die Gelegenheit gehabt, von nun an eigene Wege zu gehen. Vielleicht liegt es nicht am Chef, sondern an unserer Haltung zu diesem oder zu unserer Arbeit, dass wir nicht weiter kommen? Und wenn nicht, könnten wir vielleicht auch dran denken, etwas am Arbeitsumfeld oder gar der Tätigkeit zu ändern? Mit dem Exfreund sind wir nicht mehr zusammen, geben ihm aber immer noch Macht über unser Leben, indem wir innerlich permanent hadern, statt nach vorne zu schauen.

Es sind selten die äusseren Umstände, welche uns leiden lassen, sondern mehrheitlich ist es unsere Haltung: Statt die Dinge, die passieren, anzunehmen und zu schauen, wie wir konstruktiv damit umgehen könnten, lassen wir uns in eine Gedanken- und Gefühlsspirale ziehen, aus der nur eines resultiert: Leiden. Wenn wir das erkennen, können wir die Spirale durchbrechen und statt Opfer Steuermann unseres Lebens werden.

Angst ist ein schlechter Lehrmeister

„Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.“ Ingmar Bergman

Wie oft stehen wir uns selber im Weg, weil wir Angst haben? Wir wagen Dinge nicht, weil wir fürchten zu scheitern. Wir wagen sie nicht, weil wir denken, wir könnten uns blamieren und ausgelacht werden oder das Gesicht verlieren. Und wie viel hätten wir schaffen können, hätten wir es probiert? Wie viel Spass hätten wir erleben können, wenn uns egal wäre, was andere von uns denken?
Wieso ist die Angst, Fehler zu machen oder etwas nicht zu schaffen, so gross, dass sie uns so einengt? Und: Wollen wir mit diesen Grenzen leben oder daran arbeiten, weil zu viel Freude verloren geht beim ständigen ängstlichen Hinterfragen der möglichen negativen Folgen eines Tuns?

Klar: Risiken abzuwägen ist sinnvoll und wichtig, einfach blind in eine wirkliche Gefahr zu rennen, wäre sicher nicht der richtige Weg. Aber: Oft fürchten wir uns vor eingebildeten „Gefahren“, vor Reaktionen oder Folgen, die unbequem sein könnten. Von denen man zudem nicht mal weiss, ob sie eintreten, da sie reine Schreckensszenarien sind, ausgemalt von unserer Phantasie.
Vielleicht sind wir das nächste Mal mutiger? Und freuen uns dann, dass wir es geschafft haben, unsere Ängste zu überwinden und etwas zu wagen? Und wenn es dann gelingt und Freude bringt, nehmen wir das mit und probieren es immer und immer wieder.

16. März

„Die Wurzel der Weisheit liegt in der Beobachtung des eigenen Geistes.“ (Gönpawa)

Weisheit bedeutet, das zu erkennen, was wirklich ist, statt Illusionen aufzusitzen. Wie oft tun wir aber genau das Gegenteil? Wir messen dem Wert zu, das keinen hat, suchen nach Glück im Aussen, statt es in uns selber zu finden. Wir denken in Kategorien wie ich und mein und hängen uns daran, so dass der (Gedanke an den) Verlust uns ins Leiden stürzt.

Überhaupt: Wir denken in einem fort, ohne Pause. Wir bewerten und verurteilen uns und andere, bedauern oder planen, schimpfen und toben, springen von Thema zu Thema. Wenn wir das durch genaue Beobachtung erkennen, haben wir den Boden für Weisheit gesetzt. Und: Wir haben ganz viel Leiden den Boden entzogen.

 

15. März

„Wer sich selbst recht kennt, kann sehr bald alle anderen Menschen kennenlernen.“ (Georg Christoph Lichtenberg)

„Wieso habe ich das getan? Was hat mich wohl dazu gebracht?“ Wir haben wohl alle schon mal Dinge getan, bei denen wir im Rückblick den Kopf über uns selber geschüttelt und uns nicht verstanden haben. Das ist durchaus menschlich, hinterlässt aber doch immer auch schlechte Gefühle, vor allem, wenn man sich völlig anders, als man sich das für sich wünschen würde, verhielt.

Was können wir aber tun, um solche Situationen zu vermeiden? Helfen wird wohl nur der Blick nach innen und sich die Anfangsfragen immer wieder zu stellen – bis man eine Antwort findet und sich dadurch ein wenig besser kennenlernt in seinem Verhalten. Und wenn wir uns so immer selber besser kennen und verstehen lernen, lernen wir auch andere Menschen besser kennen, weil wir begreifen, dass auch sie in ihrem Verhalten teilweise unbewusst gesteuert werden.

Aus diesem Kennen und Verstehen entwickeln wir immer auch mehr Verständnis – für uns und andere.

Was tut mir gut?

Ich habe da dieses Problem. Ich studiere hin, studiere her, das Problem ist da und ich sehe keinen Weg hinaus. Tag und Nacht zermartere ich mir mein Hirn: Was könnte ich tun, das Problem zu bewältigen? Wie ich es drehe und wende: Ich sehe keine Möglichkeit. Es bleibt bestehen.

Das Problem hat eine Geschichte erhalten, ich habe sie ihm gegeben. Indem ich meine ganzen Gedanken um das Problem kreisen liess, wurde es zu meinem Leben.

Nur: Mein Leben besteht noch aus viel mehr. Wieso nicht das Ganze betrachten und das Problem dann da einordnen? Als Teil des Ganzen, aber niemals alles.

Manchmal hilft es, aufzuschreiben, was alles gut ist im Leben. Das Problem auf die eine Seite der Tabelle, auf die andere Seite all die guten Dinge. Auch die – und vor allem die – welche wir gerne als selbstverständlich sehen: Dach über dem Kopf, gutgesinnte Menschen, etc.

Damit ist das Problem nicht bewältigt, es besteht weiter. Mit der Kraft des Guten im Leben und der richtigen Relation des Problems können wir dieses nun genauer anschauen und schriftlich analysieren:

  • Wie genau lautet das Problem?
  • Was für einen Einfluss hat es auf mein Leben?
  • Was wäre, wenn das Problem nicht lösbar wäre? Im schlimmsten Fall?
  • Wie fühle ich mich bei dem Gedanken?
  • Kann ich das Problem in Teilprobleme aufteilen, die leichter zu lösen sind’
  • Wenn sich das Problem nicht lösen lässt: Kann ich mich vom Problem lösen?
  • Was wäre ein Alternativleben, in dem das Problem keines wäre?
  • Kann ich das realisieren?
  • Was brauche ich dazu?
  • Wo kriege ich es?

Vielleicht sieht man keine Lösung. Trotz all der Fragen überzeugt keine Antwort. Dann gibt es noch die letzte Frage:

  • Was tut mir gut?

Wir haben gesehen, dass das Problem da ist, sich im Moment nicht lösen lässt. Wir haben aber auch gesehen, dass das Problem nur ein Teil ist. Neben diesem Teil existiert noch ganz viel – vieles, wofür wir dankbar sein können. Wieso also nicht das ganz bewusst ausbauen?

  • Was hat mir in der Vergangenheit gut getan? Was davon kann ich wiederholen?
  • Wer tut mir gut? Kann ich diese Menschen mehr um mich haben?
  • Wie kann ich mir selber etwas Gutes tun?

Ab und an verabschieden sich Probleme klammheimlich, wenn wir uns auf die guten Dinge konzentrieren im Leben. Und selbst wenn sie bleiben, haben sie ihren Stellenwert zurück: Sie sind ein Teil, aber nicht das Ganze.